Eine interessante Frage, die ich für mich bislang völlig anders beantwortet hätte...ich war mir sicher, die Zeit vergeht schneller, wenn man mit Neuem, bislang Unbekanntem konfrontiert ist ... neue Aufgaben, motivierende Aufgaben, sich mit Neuem beschäftigen ... das tägliche Einerlei durchbricht ... - … warum kommen einem dann aber die ersten Tage eines Urlaubes lange, ausgedehnt vor, mit fortschreitender Zeit scheinen sie dann immer kürzer zu werden, und die letzen Tage rasen nur so dahin ?
In den letzen Wochen habe ich meine restlich verbliebene Freizeit dem Zauberberg von Thomas Mann gewidmet, bzw. tue es immer noch. Ein interessanter Exkurs über den Zeitsinn ... über die Wirkung von Gewohnheit und Stumpfsinn der täglichen Lebensführung und den Verlust des Erlebnisses der Zeit...
"Leere und Monotonie mögen zwar den Augenblick und die Stunde dehnen, und langweilig machen, aber die großen und größten Zeitmassen verkürzen und verflüchtigen sie sogar bis zur Nichtigkeit" (Thomas Mann: Der Zauberberg)
Dagegen ist es zwar wirklich so, dass interessanter Gehalt den Tag verkürzt, im Großen jedoch der Zeit Breite und Gewicht verleiht. So vergehen ereignisreiche Jahre wesentlich langsamer als jene Jahre, die in stumpfsinnigem Einerlei der gewohnten Lebensführung vor sich hindämmern.
Warum hört man als Kind immer wieder von den Erwachsenen - und mit zunehmendem Alter immer häufiger - jenen unverständlichen Ausspruch "Kinder, wie die Zeit vergeht, das wird jedes Jahr schlimmer...". Nicht die Zeit vergeht schneller, vielmehr ist es so, dass die ereignisreichen Jahre unserer Kindheit uns im Erleben und auch im Rückblick so viel länger vorkommen, da mit dem Alter auch die Gewöhnung immer stärker wird und die Gewöhnung nichts anderes ist als das Mattwerden des Zeitsinns infolge ununterbrochener Gleichförmigkeit des Lebens.
Vielleicht ist das auch der Grund, dass ich seit einiger Zeit das Bedürfnis verspüre etwas Neues zu beginnen, das mich aus dem gewohnten, unbefriedigenden Einerlei des Alltags herausreißen kann...
Die letzen 4 Jahre sind weg, einfach vorbeigegangen, ohne dass ich mich an besondere Highlights erinnern könnte. Die Jahre waren ausgefüllt mit meinem Job und dem parallel ablaufenden Studium, zeitlich vollkommen ausgefüllt, aber eben doch nicht ausgefüllt im Sinne von erfüllt, es wird höchste Zeit eine Unterbrechung in das tägliche Einerlei einzuschalten.
"Wir wissen wohl, daß die Einschaltung von Um- und Neugewöhnungen das einzige Mittel ist, unser Leben zu halten, unseren Zeitsinn aufzufrischen, eine Verjüngung, Verstärkung, Verlangsamung unseres Zeiterlebnisses und damit die Erneuerung unseres Lebensgefühls überhaupt zu erzielen." (Thomas Mann: Der Zauberberg)
Novarum rerum cupidus.
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