Wolfgang bloggt aus Polen

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Jetzt bin auch ich unter die Blogger gegangen. Weil ich meine, dass ich etwas mitzuteilen habe, das Euch vielleicht interessiert. Ach ja, für Leute, die mich nicht kennen und die von irgendeiner Suchmaschine unverhoffterweise hierher katapultiet wurden: Ich bin fast 40 und wohne seit ca. 6 Jahren in Polen aufgrund von Umständen, die hier wenig zur Sache tun. Ich möchte hier ein wenig von dem berichten, was mir hier auffällt, was mich freut und was mich nervt. Kommentare zur Politik, Anekdoten aus dem Alltag... das wäre im Groben das, was man hier in unregelmäßigen Abständen erwarten kann. Viel Spaß dabei wünscht Wolfgang


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Steinbach

Sympathien für die CSU kann man mir nun wirklich nicht nachsagen, für den Bund der Vertriebenen noch weniger. Erika Steinbach war für mich immer irgendwie eine fragwürdige Figur: eine Heimatvertriebene mit bayrischem Akzent, gewissermaßen der Tropf, der diesen vom Aussterben bedrohten Verein künstlich am Leben hält. Eine Berufsheimatvertriebene halt.

 

Aber manchmal tut sie mir auch leid, wenn ich sehe, wie die Frau in der polnischen Presse behandelt wird. Gewiss, deutsche Vertriebenenfunktionäre haben in diesem Land artbedingt immer einen schweren Stand – und das aus Gründen, die ich nicht nur respektiere, sondern die ich auch von Herzen teile. Aber Abbildungen dieser Frau mit Hitlerbärtchen oder Stahlhelm gehen mir dann doch einen Schritt zu weit. Sie überzeichnen einerseits den Stellenwert dieser Frau (einer Hinterbänklerin, die eine an Stellenwert verlierende Lobby-Organisation führt), und treffen solche Abbildungen alle Deutschen, die auf diese Weise über einen Kamm geschoren werden. Steinbach ist die ideale Figur, die den Polen noch weismachen kann, dass die Deutschen noch gefährlich sind. Das sage nicht ich, so ungefähr äußerte sich der Danziger Schriftsteller Pawel Huelle. „Wenn es sie nicht schon gäbe, hätte man sie erfinden müssen.“

 

Aber jetzt hat die Frau mich überrascht, und zwar mit einem denkwürdigen Vergleich. "Die Parteien, die in Polen regieren, sind mit den deutschen Parteien Republikaner, DVU und NPD vergleichbar." Woraufhin natürlich sofort ein deutsch-polnisches Kleinfeuerwerk an Beschuldigungen und Beschwichtigungen folgte und sich die Parlamentspräsidenten bemühten, die Wogen zu glätten.

 

Aber mal abgesehen von dem diplomatischen Theater – die Frau hat Recht. Law and Order, mit diesem Slogan sind seinerzeit die Republikaner in die Landtagswahlkämpfe gezogen. Genau das wird hier praktiziert. Die Gefängnisse quellen über wie nie zuvor, über die Einführung der von der NPD favorisierten Todesstrafe nicht nur laut nachgedacht, sondern sie wird im EU-Verband sogar angeregt. Die Pressefreiheit wird attackiert, Schulen werden allmählich gleichgeschaltet, Patriotismus wird als Schulfach eingeführt – also mal ehrlich, dieser Vergleich mag zwar extrem formuliert sein, völlig abwegig ist er nicht.

 

Und außerdem: die Frau ist in guter Gesellschaft. Man schaue nur einmal in den SPIEGEL von vor 2 Wochen oder so. Darin beschreibt der ehemalige polnische Außenminister Bartoszewski, ein äußerst gemäßigter und in Deutschland hochgeschätzter Mann, die politische Lage in etwa so: “Das ist als ob die CSU mit der NPD regieren würde.” Wie ich schon sagte, Sympathien für die CSU kann man mir nicht nachsagen.


Posted: 11:29, 6.03.2007
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Grüne Hölle

Jetzt weiß ich’s: Greenpeace ist eine Sekte, ein kommerzielles Unternehmen, das auf Gewinn aus ist, das den Menschen gnadenlos der Natur unterordnen will und gerade hier in Polen auf Jüngerfang ist. So meinte es jedenfalls ein Radiokommentator namens Król, den ich heute einfing, als ich zum Einkaufen fuhr. Das Lachen blieb mir allerdings im Halse stecken, zumal ich weiß, dass eine gar nicht mal kleine Minderheit in diesem Land solche Worte, die da landesweit über den katholischen Hetzsender Radio Maryja übertragen werden, für bare Münze nimmt.


Aber wie kommt der Mann zu solchen wirren Behauptungen? Nun, Polen hat seit ein paar Wochen seine „Startbahn West“ in Form einer Autobahn, die – wenn sie denn fertig wird – letztendlich Warschau mit dem Baltikum vebinden soll und an einer Stelle durch ein sehr empfindliches Naturgebiet an einer der schönsten Stellen des Landes führen soll, durch das Rospuda-Tal bei Augustów. Dort betrieben bis vor einigen Tagen ein paar – zugegebenermaßen hightechmäßig ausgerüstete – Umweltaktivisten ein Baumhaus-Camp. War die Lage an der Startbahn West seinerzeit ziemlich übersichtlich (die da oben, wir da unten), so gestaltet es sich jetzt um einiges komplizierter. Denn die Autobahntrasse verstößt gegen EU-Recht und die polnische Regierung würde dieses Recht am liebsten ignorieren. Die Umweltaktivisten sind auch nicht gegen den Bau der Autobahn an sich. Der Vorschlag für eine Alternativtrasse liegt vor. Diese wäre allerdings um ganze 23 km länger und würde das Gebiet an der schmalsten Stelle durchqueren.


Soweit die Fakten, oder zumindest ein Teil davon.


Immerhin billigt Herr Król uns ja noch zu, dass man mit der Umwelt nicht beliebig herumspringen darf. Das, was zum Beispiel die Bolschewisten in Russland gemacht hätten, das sei natürlich eine Schande. Greenpeace sei antichristlich, weil es die Natur über den Menschen stelle. Der Mensch ist schließlich die Krone der Schöpfung. Und die EU ist immer schnell zur Stelle, wenn angeblich die Umwelt bedroht ist, aber wo bleibt sie, wenn es um den Schutz des ungeborenen Lebens geht? Während der Mann redete, wusste ich schon, woher der Wind weht. Und ich wusste auch, dass er natürlich nicht sagen wird, dass ungeborene Kinder für ihr zukünftiges Leben eine lebenswerte Welt brauchen. Nein, stattdessen redete er von den Linken und den Marxisten, die mit den Umweltaktivisten nur zu gerne paktieren, um dann später Revolution zu machen. Keine rote, aber zumindest eine grüne.


Das alles ist nur ein Beispiel für die Gehirnwäsche, die hier an manchen Leuten vollzogen wird. Und das Schlimme ist, man bekommt selbst etwas davon ab. Während dieser Król redete, habe wirklich in meinem Hirn die EU als externe Macht wahrgenommen, die sich gegen dieses Land stellt, und ich habe dies als aufoktroyiert empfunden. Und das erschreckt mich, denn Dinge, die ich von Deutschland aus nur mit Kopfschütteln betrachtet hätte, werden normal. An Demagogie kann man sich gewöhnen. Leider.


Posted: 08:48, 5.03.2007
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