| Der Geist des Elija |
Ernte im Winter Ich war fast vier Monate arbeitslos gewesen, und nun endlich: Arbeit! Am 12. Januar 1987 sollte ich anfangen. Dennoch - ganz glücklich war ich darüber nicht. Statt dessen spürte ich deutlich, daß ich in die Bundesrepublik fahren und genealogische Forschung betreiben solle. Also betete ich. Beim Beten wurde dieses Gefühl noch stärker. Nicht zu arbeiten war Sünde, die neue Arbeit anzunehmen schien wie eine Sünde. Ich fastete und betete; ich sprach mit meinem Mann, und der sagte: „Wenn du das so empfindest, dann solltest du die Arbeit vielleicht nicht annehmen.” Aber das fand ich auch nicht richtig. Wieder betete ich. Danach sprach ich mit unserem Zweigpräsidenten. Er schlug vor, daß ich zuerst in die Bundesrepublik fahren und dann meine neue Stelle antreten solle, aber das würde mir nur etwa zehn Tage Zeit lassen. Er bot sogar an, uns hinzufahren. „Vom 12. Januar an habe ich eine Woche Urlaub”, sagte er, „und ich wollte immer schon mal Norddeutschland sehen.” Ob ich wohl den Arbeitsbeginn um eine Woche verschieben könnte? Am 2. Januar rief der Zweigpräsident an und teilte uns mit, daß er doch nicht fahren könne, weil der Distriktspräsident unbedingt mit ihm reden müsse. Er würde uns aber gern sein Auto leihen. Mein Mann nahm sich eine Woche frei. In nur zwei Stunden mußten wir eine Mitgliederfamilie in Lübeck wegen der Übernachtungen anrufen, Karten für die Fähre kaufen, das Auto abholen und die Koffer packen. Diese Hast schien unsinnig, aber tief im Innern wußte ich, daß der Herr es so wollte..
Während dieser Zeit wurde ich eines Wir nahmen die Fähre von Trelleborg nach Travemünde. Schon eine halbe Stunde nach unserer Ankunft waren wir bei unseren guten Freunden in Lübeck. Sie fragten sich: Aber warum denn diese Eile? Schließlich war es immer noch früh am Morgen.. Wohin sollten wir uns nun wenden? Nachdem wir gebetet hatten, machten wir uns auf den Weg zum Kirchenamt von Bad Segeberg, mit dem ich schon brieflich in Verbindung gestanden hatte. Wir kamen um 9 Uhr morgens dort an. Ein junger Mann empfing uns und erzählte, daß die ältere Dame, mit der ich korrespondiert hatte, vor zwei Tagen in den Ruhestand getreten war. Er selbst war neu und konnte uns noch nicht helfen. Er erwähnte aber, daß die besagte Dame am nächsten Tag mal hereinschauen werde. Ob ich dann wohl nochmal wiederkommen wolle? Ich schickte ein Stoßgebet zum Himmel und sagte: „Fein, aber haben Sie eine Ahnung, was wir heute noch tun können?” - „Ja, vielleicht . . . ja, ich glaube, ich habe da eine Idee”, sagte er, führte vier Telefongespräche und gab uns dann vier Adressen. Die erste war die Anschrift eines Archivs, aber dort konnte man uns nicht weiterhelfen. Die zweite war die eines Geistlichen, aber der war nicht zu Hause. Die dritte Adresse war ein Haus in dem Dorf, in dem mein Vater geboren worden war, aber auch dort klingelten wir vergebens. Wir waren schon recht entmutigt, aber wir sprachen ein kurzes Gebet und klingelten nochmal. Da kam eine Frau aus dem Nachbarhaus und sagte, daß der Mann, den wir suchten, weggefahren sei und erst in einer Woche zurückkommen würde. Wir erzählten ihr, war uns hergeführt hatte. Daraufhin sagte sie, daß er wahrscheinlich doch nicht viel für uns hätte, aber sie empfahl uns, seine Schwester zu fragen, die in der Nähe wohnte. Sie müßte wohl eine Ahnentafel besitzen.. Wir klingelten bei der Schwester, und eine neunzigjährige Frau kam an die Tür. Wir zeigten ihr unsere Ahnentafel, und sie erzählte uns, daß einst mein Großvater in dem Haus gewohnt hatte, von dem wir gerade gekommen waren. Sie empfahl uns das Museum in Reinfeld, wo es sicher noch weitere Informationen gäbe.. Der Museumsdirektor hieß uns herzlich willkommen und erzählte uns vieles von der Familie meines Großvaters, was ich selbst noch gar nicht gewußt hatte. Er hatte einen Kaufvertrag des Hauses, bei dem wir zuvor gewesen waren. Er sagte, wenn wir am folgenden Tag wiederkämen, würde er uns eine Kopie des Vertrages und auch Kopien anderer interessanter Dokumente geben. Nachdem wir unserer Tochter das Grab meines Großvaters und das meines Urgroßvaters gezeigt hatten, kehrten wir nach Lübeck zurück.. Am nächsten Tag, es war Dienstag, suchten wir den Geistlichen auf, der vorher nicht zu Hause gewesen war. Er nannte uns einige Bauernhöfe in der Gegend. Auf einem Stand ein kleines weißes Haus, aber es war gerade niemand zu Hause. Auf vielen Höfen ließ man uns die Ahnentafeln abschreiben.. Am Nachmittag erreichten wir ein Haus, wo nur die Frau daheim war. Zuerst war sie uns gegenüber mißtrauisch, aber als wir ihr unsere Ahnentafel zeigten, bat sie uns herein. Bald kam auch ihr Mann zurück. Ich stellte bald fest, daß er mit mir verwandt war. An der Kaffeetafel erzählten die beiden von Salt Lake City und den großen Archiven der Mormonen. Der Mann fragte: „Sind sie vielleicht Mormonen?” Wir sagten ja, und er fuhr fort: „Wir auch, obwohl wir nicht aktiv sind.” Wir konnten unser Zeugnis geben. Als wir nach dem Abendbrot gehen wollten, sagte der Mann: „Zu Weihnachten habe ich eine Kantate von Bach gehört. Sie enthält ein Gebet, daß Gott uns seine Engel senden möge. Ich habe zu Gott gebetet, daß er seine Engel zu uns senden möge. Und jetzt weiß ich, daß er mein Gebet erhört hat.” Wie unbedeutend und unwürdig fühlten wir uns da, und doch, wie glücklich! Sie waren die einzigen Mitglieder der Kirche weit und breit, und der Herr hatte uns zu ihnen geführt.. Tags darauf gingen wir wieder ins Museum. Der Direktor hatte uns Kopien gemacht und eine ganze Ahnenlinie erforscht. Er versprach uns noch mehr Namen, wenn wir gegen Ende der Woche zurückkämen. Als wir das Museum verließen, kam uns die Idee, eine Anzeige in der Zeitung aufzugeben. Anschließend fuhren wir nochmals zum kleinen weißen Haus, aber wieder vergebens. Wir suchten noch weitere Höfe auf und durften zahlreiche Ahnentafelnabschreiben. Jemand erzählte uns von einem Archiv in Lübeck, das aber nur einmal in der Woche geöffnet sei. Dort würden wir wohl weitere Namen finden.. Der nächste Tag war Donnerstag, und wir hatten nur noch zwei Tage, ehe wir wieder nach Schweden zurückkehren mußten. Wir besuchten einen Mann, an den wir verwiesen worden waren. Er hatte eine Ahnentafel, die uns ein freundlicher Bankangestellter kopierte. Im Postamt lieh ich mir die Telefonbücher all der Orte, in denen wir gewesen waren. Daraus schrieb ich die Namen ab, die ich aus meiner Forschung kannte. Als ich diese Leute dann anrief, waren die meisten bereit, uns zu helfen. Ich erhielt noch mehr Namen. Am Nachmittag verhinderte ein Schneesturm jedoch, daß wir die kleineren Dörfer aufsuchten, also fuhren wir wieder ins Museum in Reinfeld. Leider war der Direktor an diesem Tag nicht da. Nach einem Gebet beschlossen wir, zum Kirchenamt zu gehen. Mein Mann hielt das Auto an, um einen Passanten nach dem Weg dorthin zu fragen - und zu unser aller Überraschung war es der Museumsdirektor! Wir fuhren ihn nach Hause und erhielten noch einige Namen von ihm.. Am Tag darauf waren wir wieder bei dem kleinen weißen Haus. Diesmal kam ein Mann an die Tür. Er ließ uns einen Stammbaum von etwa 80 Seiten abschreiben, der über 250 Namen enthielt. Auf der Fahrt nach Lübeck sah ich diese Unterlagen durch und entdeckte, daß seine und meine ältesten Vorfahrinnen Schwestern waren. Um halb sechs am Freitag nachmittag hatten wir mit allen Leuten Kontakt aufgenommen, wie wir es vorgehabt hatten. Wir waren dem Herrn für seinen Beistand überaus dankbar.. Als wir am nächsten Tag Lübeck in Richtung Travemünde verließen, war Schneesturm auf der Autobahn. 15 Zentimeter hoher Matsch auf der Fahrbahn machten das Fahren gefährlich, und wir sagten uns: „Wenn es hier schon so übel ist, wie muß es dann erst in Schweden aussehen?” In Südschweden waren die Straßen aber trocken. So kamen wir sicher nach Hause. Am Tag nach unserer Rückkehr machte ein wilder Schneesturm alle Straßen in der Umgebung unseres Ortes unpassierbar, und so blieb es eine ganze Woche lang. Wären wir nur einen Tag später zurückgekommen, hätten wir eine Woche lang in Malmö festgesessen, rund 200 Kilometer von zu Hause. Das war uns ein Zeugnis davon, daß der Herr unsere Reise eine Woche zuvor gewollt hatte. Ich konnte nun, wie geplant, am 12. Januar meine Arbeitsstelle antreten.. Doch noch wichtiger als die neue Arbeit war das, was ich mit Hilfe des Herrn in meiner deutschen Heimat vollbracht hatte. Ich war mit den Daten von über 600 Vorfahren* nach Schweden zurückgekehrt, für die das stellvertretende Werk im Stockholm-Tempel getan werden konnte.. Edith Wiklöf wohnt zur Zeit in Göteborg, Schweden.. Bei einem späteren Besuch in der Bundesrepublik fand Schwester Wiklöf auf der Rückseite einer Ahnentafel einen Zeitungsausschnitt, der sie zu einer Frau führte, die über 40 Jahre lang genealogische Forschung betrieben hatte. Schwester Wiklöf erhielt von dieser Frau 51 Ahnentafeln mit Daten von insgesamt 7000 Vorfahren, für die die stellvertretende Arbeit im Tempel getan werden konnte. 12:07 - 22.04.2008
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Description Präsident Gordon B. Hinckley hat oft darüber gesprochen, inwiefern das Evangelium Jesu Christi Glück in die Familie einziehen lässt. Dieses Glück ist hier auf der Erde aber nicht nur der Familie vorbehalten. „Ist es nicht eine herrliche Offenbarung,” hat Präsident Hinckley gesagt, „dass wir die Möglichkeit haben sollen, in das Haus des Herrn zu gehen und uns für diejenigen taufen zu lassen, denen diese für .die Errettung notwendige heilige Handlung nicht hier auf der Erde zuteil geworden ist.” Startseite User Profile Archiv Recent Entries - Ein wundersames Werk - Hindernisse, Glaube und Wunder - Der Geist des Elia - Ernte im Winter - Meine schwarzen Vorfahren ausfindig machen - Mit dem Wunsch eines Sterbenden begann die Suche nach Fanlilienangehörigen - Im Leben Freude finden - Die Eltern, die du nicht gekannt hast - Durch den Schleier - Das verschwundene Buch - Der Geist des Elija - Genealogie und Tempelarbeit - Bitte verrichte meine Arbeit - Meine Mission über die Jahrhunderte hinweg - Als der Herr mir die Augen öffnete |