Der Geist des Elija

Ein wundersames Werk

 Als ich mich 1973 der Kirche anschloß, drang mir die Lehre von der Erlösung der Toten tief ins Herz. Als neues Mitglied der Kirche verpflichtete ich mich dazu, für meine Vorfahren, die gestorben waren, ohne das Evangelium zu kennen, die stellvertretende Arbeit zu verrichten.
Ich wohnte damals in Madrid, rund 500 Kilometer von Asturias, meinem kleinen Geburtsort, entfernt, wo, wie ich annahm, der größere Teil der Unterlagen über meine Vorfahren lagerte. Ich nutzte viele Urlaubstage und Wochenenden dazu, nach diesen Aufzeichnungen zu suchen, und reiste dafür Hunderte von Kilometern. Manchmal schloß ich mich ganze Tage in den Pfarrämtern der katholischen Kirche ein, wo ich von alten, häufig unleserlichen Aufzeichnungen umgeben war.
Die Liebe, die ich für meine Verfahren empfand, half mir, diese Unannehmlichkeiten auf mich zu nehmen. Ich wischte den Staub ab, flickte die zerrissenen Bücher und Seiten und lernte, die vielen, vielen Bücher, die ich in die Hand nahm, zu lesen. Mit Hilfe dieser Kirchenbücher und mit Hilfe von standesamtlichen Unterlagen, Familienaufzeichnungen, Testamenten. Zeitungen und Fotos stellte ich allmählich ein Bild vom Leben meiner Vorfahren zusammen. Ich lernte sie in gewissem Maße kennen und freute mich über ihr Glück und trauerte mit ihnen über ihren Kummer.
Aber dann kam die Zeit, wo ich anscheinend nichts mehr tun konnte. Allzu viele Unterlagen waren zerstört worden. Asturias gehört zu den am heftigsten umkämpften Gebieten der spanischen Geschichte, und in diesen Auseinandersetzungen sind viele Aufzeichnungen zerstört worden. Ich versuchte mit Familienquellen weiterzumachen, hatte aber nicht viel Erfolg.
Manchmal war ich entmutigt, wenn ich daran dachte, wie leicht es doch für manche Menschen ist, Familienforschung zu betreiben. Ich las im Liahona wundersame Berichte darüber, wie andere die benötigten Angaben gefunden hatten. Warum konnte das nicht mir passieren? Die Aufzeichnungen, die ich brauchte, mußten doch irgendwo sein. 1994 beschloß ich, in einer bestimmten Gegend Urlaub zu machen und die dortigen Kirchengemeinden noch einmal zu besuchen. Wie gewöhnlich war ich am Ende meiner Nachforschungen genauso weit wie zuvor. Ich war ziemlich entmutigt. Seit zwanzig Jahren hatte ich jeden Urlaub damit zugebracht, war Tausende von Kilometern gereist, hatte bergeweise Bücher durchgesucht, hatte mit Hunderten von Menschen gesprochen und sehr viel Geld ausgegeben. Aber wofür?
Meine Frau und ich packten unsere Koffer, um nach Madrid zurückzufahren. Dann beschloß ich im letzten Augenblick, noch einen einzigen Versuch zu machen. Ich fuhr noch einmal zu einer der Kirchen zurück, die ich schon so viele Male besucht hatte.
Aber als ich diesmal in einem bestimmten Buch suchte, erschienen genau die Namen und Daten, die ich brauchte, plötzlich vor meinen Augen! Mir zitterten die Knie, und ich stieß einen Freudenschrei aus. Die Tränen schossen mir in die Augen, so daß ich nichts mehr sah.
Bei meinen bisherigen Versuchen hatte ich die Angaben nicht gefunden, weil die Namen nicht korrekt eingetragen waren. Aber nachdem ich dieses kostbare Buch erst einmal gefunden hatte, verwies es mich sogar noch an weitere Bücher, die nicht im Krieg zerstört worden waren – Aufzeichnungen, von deren Existenz ich nichts gewusst hatte. Jetzt konnte für diese Vorfahren die Tempelarbeit verrichtet werden.
Ich konnte mit dem Gefühl nach Madrid zurückfahren, daß ich überreich gesegnet worden war. Wie Nephi weiß ich, daß unser Vater im Himmel uns liebt und daß er uns nie ein Gebot gibt, ohne uns den Weg zu bereiten, damit wir es ausführen können.
Marcelino Fernández Rebolllos Suárez, November 1996

12:16 - 22.04.2008 - comments {<%EntryCommentCount%>}


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Description
Präsident Gordon B. Hinckley hat oft darüber gesprochen, inwiefern das Evangelium Jesu Christi Glück in die Familie einziehen lässt. Dieses Glück ist hier auf der Erde aber nicht nur der Familie vorbehalten. „Ist es nicht eine herrliche Offenbarung,” hat Präsident Hinckley gesagt, „dass wir die Möglichkeit haben sollen, in das Haus des Herrn zu gehen und uns für diejenigen taufen zu lassen, denen diese für .die Errettung notwendige heilige Handlung nicht hier auf der Erde zuteil geworden ist.”
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